Schweizer Nationalmannschaft ParalympicWeltcup

On Tour: Swiss Paralympic Ski Team / Agility Sport Physiotherapie

Sportbetreuung beim Swiss Paralympic Ski Team

Vorbereitung für die Paralympische Winterspiele aus sport – physiotherapeutischer Sicht

Die Vorbereitung für diese wichtige Saison ist bei den Paralympischen Athleten nicht viel anders, als für den olympischen Athleten. Die Planung begann bereits im Frühling mit dem Konditionstraining.

Bei den Leistungstests werden alle konditionellen Fähigkeiten (Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit) sowie die koordinativen Fähigkeiten überprüft. Diese Tests werden für die sitzenden Athleten in der Sportmedizin des Paraplegischen Zentrums in Nottwil und für die stehenden Athleten in der Sportmedizin der Rehaklinik in Bellikon durchgeführt. Im Anschluss an diese Tests begann die Saison 2017 mit individuellen Konditionstrainings und dem Sommertraining.

Das Swiss Paralympic Ski Team hat ein Physiopool mit drei Physiotherapeutinnen, die sich ihre Einsätze aufteilen. Ich betreue das Team seit 2014 und bin an den meisten Weltcuprennen und an den internationalen Anlässen dabei.

Christoph Kunz (Norwegen 2017)

Mein erster Einsatz für die Saison 2017/18 war in Juli in Norwegen.

In Norwegen haben wir, das Swiss Paralympic Ski Team, frühmorgens auf den Pisten des „Fonna“-Gletschers trainiert. Die Trainings wurden in Kooperation mit den niederländischen, schwedischen und norwegischen Paralympic Skiteams organisiert. Eine solche Zusammenarbeit mit anderen Ländern und deren Nationalmannschaften ist in der paralympischen Welt normal, Wir sind alle gut befreundet und helfen uns gegenseitig.

Links: Christoph Kunz (Goldmedaille in Sotschi und Vancouver sowie Weltmeister 2017)

Oben: Robin Cuche (Silber WM 2017) und Theo Gmür (Silber WM 2017)

Von August bis Ende Oktober hatte die Mannschaft mehrere Kadertrainings im Schnee. Diese fanden mehrheitlich, vor allem für die Speed-Disziplinen, in Saas-Fee und im Oktober im österreichischen Pitztal statt. Unsere Einsätze sind bei diesen Trainingswochen sehr abwechslungsreich, da die Athleten (noch) wenig individuelle Behandlungen benötigen und somit das Physioteam auch stark in die Konditions- & Koordinationstraining, Stretching, Stabilisation und Ausgleichtraining involviert werden kann.

Micha Wäffler (Paraplegie) während eines individuellen Trainings

In den Einzeltrainings arbeite ich gemeinsam mit den Athleten vor allem an den individuellen Schwächen, die im Training auf dem Schnee oder bei der Leistungsdiagnostik beobachtet wurden. Häufig kommt es dabei durch die physische Behinderung der Athleten zu massiven Kompensationen und Folgebeschwerden. Diese müssen teilweise, da leider unumgänglich, akzeptiert werden und man versucht, so gut wie möglich eine athletische Körperhaltung aufzubauen und entsprechend zu stabilisieren. Das ist je nach individueller Behinderung und Problematik sehr unterschiedlich.

Die Herausforderung beim gemeinsamen Konditionstraining ist es, der gesamten Gruppe etwas anzubieten, die für alle Typologien von Behinderungen der Athleten passt bzw. umzusetzen ist. Dabei sind stehende (Amputierte, Cerebral Paresen, Hemiplegien…), blinde und sitzende (Paraplegiker oder beidseitig Amputierte) behinderte Sportler im Kader.

 

Anfang November wurde durch das IPC (International Paralympic Comittee) das erste Rennen im holländischen Landgraaf durchgeführt, in einer riesigen Skihalle.

Nun ist die Agenda von unseren paralympischen Sportlern mit Rennen, Trainingslagern, Kadertrainings und vielem mehr, so ziemlich ausgebucht. Wie bei den „normalen“ olympischen Athleten haben auch wir verschiedene Wettkampftypen: Level Race, Europacup, Weltcup. Dadurch nehmen unsere Athleten nahezu wöchentlich an Wettkämpfe in der Schweiz, Europa oder in Übersee teil.

 

Robin Cuche am Start

Falls ein Athlet während der kritischen Startphase stürzt und sich verletzt, bin ich direkt vor Ort und kann schnell eingreifen und helfen.

Ist unser Teamarzt nicht vor Ort, ist es im Falle einer Verletzung auch meine Aufgabe, medizinische Versorgung des Athleten zu organisieren oder selbst durchzuführen. Dann kläre ich die Versorgungen mit den Ärzten vor Ort ab und informiere und berichte umgehend unseren Teamarzt.

 

 

Robin Cuche am Start

Robin Cuche am Start

Direkt nach den Wettkämpfen führt jeder Athlet sein Regenerationstraining meistens selbständig durch und ich biete im Anschluss individuelle Physiobehandlung an. Diese Behandlungen, auch als Prävention für Überlastungen und Verletzungen, sind gerade bei Athleten mit Behinderung, extrem wichtig. Beispielsweise für unsere einbeinigen Athleten, die während des Skifahrens extreme einseitige Belastungen erfahren und dazu tendieren, umfassende Überlastungen im Rücken und der entsprechenden Extremität zu entwickeln. Hier ist es wichtig, ab und zu die entsprechenden Zonen wieder zu entlasten, zu schützen und zu kräftigen. Das kann dann Massieren, Tapen, Dehnen, Triggern, Nadeln, Spastik hemmen, und vieles mehr sein. Gerade das macht meine Arbeit im paralympischen Hochleistungssport so vielseitig und von Athlet zu Athlet so unterschiedlich.

Die besten paralympischen Skifahrer der Welt erleben in der Schweiz die Hauptprobe

für die bevorstehenden Paralympischen Spiele im nächsten März 2018 in Südkorea. Rund 80 Athleten aus 18 Nationen sind bei den Speed-Rennen auf der WM-Strecke in St. Moritz/GR (Dezember) sowie bei den die technischen Rennen in Veysonnaz/VS (Januar) am Start.

PluSport Behindertensport Schweiz veranstaltet vom 13.-16. Dezember 2017 den «World Para Alpine Skiing World Cup» auf der Original-WM-Strecke in St. Moritz. Zum ersten Mal werden dabei Speed-Disziplinen ausgetragen. Das internationale Teilnehmerfeld nutzt die Rennen für wertvolle Qualifikationspunkte im Hinblick auf die Selektion für die Paralympics von März in Südkorea. «Es gibt zu wenig Abfahrten und Super-G’s während der Saison, umso wichtiger ist es, dass wir zusammen mit «St. Moritz Sport & Events» nun diese Weltcuprennen anbieten können», sagt Luana Bergamin von PluSport. Die Rennen vor prächtiger Bündner-Kulisse mit der idealen Infrastruktur, sind bei den Spitzenathleten sehr beliebt, erst recht bei den einheimischen Teilnehmern. «Rennen in der Schweiz, mit den eigenen Familien vor Ort, sind immer sehr motivierend. Die Organisation und die ganzen Bedingungen sind hier hervorragend, auch das gibt noch mal einen Kick und motiviert auf eine besondere Art», sagt der mehrfache WM-Medaillengewinner Thomas Pfyl aus Schwyz.

 

Francesca Brenni gegen Anna Lena Foster (Deutsches Paralympisches Ski Team)

PluSport Parallel-Challenge

Neben den Speed-Rennen wird die integrative „Parallel Challenge“ durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine Selbsterfahrung der besonderen Art, den hier vergleichen sich Skisportler mit und solche ohne Handicap in ein und demselben Rennen. Dabei wird die Piste speziell für Amateursportler angepasst und die Zeitmessung mit einem ausgeklügelten „Abled-Disabled-Faktorensystem“ berechnet.

 

So funktioniert die Parallel Challenge – Kategorien und Faktorzeiten

In jeder der drei Kategorien (sehbehindert, stehend und sitzend) gibt es unterschiedliche Klassen. Aufgrund der jeweiligen Behinderung, wird jeder Athlet zu Beginn seiner sportlichen Karriere in eine Klasse eingeteilt. Die Realzeit jedes Athleten wird mit seinem Faktor multipliziert. Dies ergibt dann die „Faktorzeit“. Diese Faktorzeit ist massgebend für die Platzierungen.